Besuch von Integrationsklassen in der RSS BO

Am Mittwoch, 27.Januar 2016  durfte die 10.Klasse der Rudolf Steiner Schule Berner Oberland in Steffisburg als Gastgeber eine Integrationsklasse der IDM (Berufsbildende Schule)aus Spiez begrüssen. Da es im Vorfeld keinen direkten Kontakt gab, war die vorbereitende Klasse sowohl in ihrer Phantasie, als auch in flexibler Organisation herausgefordert und die gespannte Erwartung dementsprechend gross. Schliesslich verbrachten sie einen ganzen Schultag gemeinsam mit einer Gruppe, die sich aus Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea zusammensetzte. Die Sprachprobleme stellten keine unüberwindliche Hürde dar. Nach einem gemeinsamen Unterricht zeigten unsere Schüler ihre Stadt Thun, indem sie jeweils in Kleingruppen eine vorbereitete Stadtbesichtigung durchführten. Für das anschliessende Mittagsbuffet brachte jeder etwas aus seinem Land mit. Neben Rösti und Raclette und unseren  Züpfe mit Schoggi gesellten sich Speisen verschiedenster Herkunft und Geschmacksrichtungen. All das ergab ein Fest für die Sinne und liess uns zusammen staunen, freuen und feiern.

 

Am Nachmittag boten die gastgebenden Schüler folgende Workshops an:

 

·        Züpfe backen

·        Musikinstrumente kennen lernen

·        Schweizerdeutsch

·        Interview: Wir stellen unsere Familien vor

Danach folgten die Angebote der IDM-Schüler:

·        Tücherbinden und Henna-Schmucktatoos

·        Syrischer Volkstanz

·        Bekanntmachen mit 5 verschiedenen Sprachen

 

·        Interview: Wir stellen unsere Familien vor

Am Mittwoch, 03. Februar 2016 folgte die 9.Klasse Rudolf Steiner Schule, Steffisburg, indem sie Gastgeber einer anderen Integrationsklasse aus Spiez sein konnten. Ihre Gruppe bestand  zusätzlich zu eritreischen, afghanischen und syrischen auch aus armenischen Jugendlichen.

Auch sie planten in ihren Vorbereitungen vielfältige Aktivitäten. Gemeinsam übte man sich in Schwyzerdütsch, Jodeln, Breakdance und einem Schweizer Quiz. Die besuchenden Jugendlichen berichteten zum Thema: mein Herkunftsort vor dem Krieg und in der Gegenwart. Sie übten heimische Tänze aus ihren jeweiligen Kulturen ein und gaben Kostproben ihrer Sprachen.

Auch bei diesem Begegnungstag entwickelte sich das gemeinsame Essen zum fröhlichen und bunten Fest und hielt manche überraschende Wendungen parat. Nachdenklich, reflektiert und bereichert äusserten sich unsere Schüler im Rückblick.

 

Verena Gantner

DIE "EXTRA-SCHULE" UNSERES NETZWERKS IM UMA ZENTRUM IN SELZACH/SO

EIN ÜBERBLICK

1. Phase: 11. November 2015 bis 2. Januar 2016

Es fanden in den ersten knapp 8 Wochen insgesamt 29 Einsätze statt, ein Grosseinsatz von Freiwilligen! Es waren insgesamt 7 qualifizierte Lehrpersonen im wechselnden Einsatz, meistens 3 bis 4 Mal in der Woche. Es waren ganz unterschiedliche Gruppengrössen, manchmal fast 30 Teilnehmende, manchmal nur eine Handvoll - schwierig zu planen. Angeboten wurde vor allem Deutsch-Nachhilfeuntericht, dazu gab es ein Mädchentreff und ein Musikprojekt an Samstagen.

Wir nennen das Projekt bewusst "Extra-Schule" und nicht nur "Nachhilfeunterricht Deutsch", weil wir das Sprachliche mehr und mehr einbetten wollen in begleitende Aktivitäten, künstlerisch, kreativ, kulturell, mit dem Fokus eines Immersionsunterrichts. Es war jedoch nicht einfach, in einem Durchgangszentrum mit oft wechselnden Personen eine inhaltliche Kontinuität zu halten von unserer Seite, diese Herausforderung wird bleiben.

2. Phase: ab Januar 2016

 

Wir versuchten diesen Freiwilligeneinsatz weiter zu führen, dank der Freiwilligengruppe, die dies alles unentgeltlich leistet. Es zeigte sich, dass es unter den gegeben Umständen für uns zu schwierig wurde, eine solche "Transfer-Schule" weiter zu entwickeln, dafür war die ORS (die Auftragnehmer des Kantons zur Führung des Zentrums) nicht der adäquate Kooperationspartner. Wir werden mit den Verantwortlichen des Kanton Solothurn in den kommenden Monaten prüfen, was sich realisieren lässt als UMA-Schule, zu der wir bereits Konzepte entworfen haben.

 

Infos zur Konzeptentwicklung einer "Transfer-Schule für UMA": Nima Pour Jakub und Thomas Stöckli

Berichte aus der tagung am 5.12.2015

Am 5.12.2015 fand die Tagung "pädagogische Ansätze in der Begegnung mit den Flüchtlingskindern" in der Rudolf Steiner Schule Berner Oberland statt. Über 100 interessierte Pädagogen und Sozialarbeiter aus Steinerschulen der Schweiz und Deutschland, öffentlichen Schulen und Asyleinrichtungen der Umgebung trafen sich an der Rudolf Steiner Schule Berner Oberland, um die speziellen Möglichkeiten der Waldorfpädagogik für den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingskindern kennen zu lernen. Der aus Bremen stammende Arzt Martin Straube führte in die neuesten Erkenntnisse der Traumaforschung ein und berichtete von seinen Erfahrungen als Notfallpädagoge. Sein Team versucht in verschiedenen Krisenregionen der Welt traumatisierten Kindern und Jugendlichen mit einfachsten Mitteln zu helfen. Dies kann nur gelingen, wenn die sie begleitenden Menschen ihnen immer wieder spiegeln: «Nicht du bist verkehrt, sondern das, was Du erlebt hast, ist verkehrt.» Es geht um das «Empowerment» der Kinder und Jugendlichen, um die Stärkung ihres Selbstbewusstseins. Nicht in dem Sinne, dass das traumatische Erlebnis «vergessen» werden kann, sondern dass sie die Kraft in sich finden, die immer wieder aufsteigenden Bilder und Erinnerungen der Traumasituation als einen Bestandteil ihres Selbstes anzunehmen und möglichst frei von der schockartigen Lähmung und den «Schattenbildern» zu werden. In den anschliessenden Workshops konnten die Teilnehmer selbst entdecken, welche heilsamen Kräfte im gemeinsamen Spielen, Singen, Tanzen, Malen und Lachen liegen und wie sie pädagogisch, nicht therapeutisch, eingesetzt werden können. Nun kommen die Berichte aus diesen Workshops an und wir dürfen sie Ihnen anbieten:

dr. med. Straube Martin: „Die Wunde Seele“

Eingangsfrage: Warum gibt es die Psychotraumatologie erst seit so verhältnismässig kurzer Zeit? Martin Straube erwähnt seine Beobachtungen zu dem Phänomen, dass gewisse Themen über einige Jahre jeweils sehr aktuell sind und viele Menschen gleichzeitig zu beschäftigen scheinen. Gerade jetzt ist dieses aktuelle Thema das Trauma.

Es können aber auch grössere Zyklen an aktuellen Themen festgestellt werden. Straube leuchtet kurz den Unterschied an zwischen der Identitätssuche jedes Einzelnen von vor 200 Jahren und der Identitätssuche jedes Einzelnen heute. Früher war es klar, was man für einen Beruf erlernt, die Eltern bestimmten, wen man heiratet etc. – heute hat man so viele Wahlmöglichkeiten, dass der die Suche nach dem richten Beruf, den richtigen Freundschaften und Aufgaben sehr schwierig geworden ist. Der Mensch muss sich ständig hinterfragen, reflektieren, rechtfertigen, muss seinen Weg ganz alleine suchen; das Ich ist verletzlicher geworden.

Noch ein Faktor, der dazu beiträgt, dass die Thematik „Trauma“ heutzutage so allgegenwärtig ist: Es wird nicht mehr gekämpft wie damals. Straube meint, durch das Kämpfen geht die Energie hinaus, kämpft man aber nicht, so passiert eine Freeze-Haltung – und genau diese Haltung bewirkt, dass eine Situation traumatisch wirkt (siehe Straube, Martin: Die Wunde Seele, 1. Tagungsvortrag). Die Kämpfe werden nicht mehr zu Pferd oder mit dem Nudelholz ausgetragen, sondern verbal oder noch subtiler. Die Konflikte werden im schlimmsten Fall zwischen erstarrten Individuen geführt – die, abgesehen davon, bereits in der Kindheit der Möglichkeiten beraubt werden, Konfliktlösungsstrategien zu erlernen –, und die Folgen davon sind häufig Traumata.

Straube beschreibt die steigende Häufigkeit von Traumafolgenstörungen als ein gemeinschaftliches Phänomen. Die ganze Welt ist davon betroffen, und dies liegt zu einem grossen Teil an oben genannten Faktoren. Dabei geht es um sogenannte Typ-2-Traumata, die sich jeweils aus vielen kleinen traumatischen Erlebnissen zusammensetzen: Man wird ausgelacht, beschimpft, findet seinen (beruflichen) Weg nicht gleich, wird für Entscheidungen verurteilt, mit Schweigen bestraft etc. Zu dieser Art Trauma gehören auch z.B. jahrelanges Erleben sexualisierter Gewalt, immer wiederkehrende Bürgerkriege, das Beobachten von Gewalt zwischen den Eltern etc.

Die andere Art eines Traumas, Typ-1-Trauma genannt, passiert durch ein einzelnes Erlebnis: Die Vergewaltigung, den Krieg, die Naturkatastrophe.

Für den Verlauf (oder ob solch eine Störung überhaupt eintritt) von Traumafolgenstörungen ist es eine zentrale Frage, ob ein traumatisierter Mensch sich selbst als Opfer erlebt. Solange das Sich-selbst-als-Opfer-Erleben im Mittelpunkt steht hat das traumatisierende Ereignis, der gewalttätige Mensch, alles, was zum Trauma geführt hat, die grösste Macht über den Betroffenen. Genau solchen Menschen passiert es häufig, dass sie aus der Opferrolle heraus anderen Menschen etwas antun und so weitere Traumata (auf beiden Seiten) auslösen. Das Wichtigste bei der Bewältigung eines Traumas ist also, die Opferrolle aufzugeben (was nicht bedeutet, dass man kein Opfer ist! Es geht um die Rolle, um das Erleben) und aktiv in Handlungen hineinzugehen. Es ist heilsam, schöne, gute Dinge zu tun und dann darauf zu blicken mit der Empfindung: Das habe ich geschaffen, es ist schön und gut. Es ist heilsam, Verantwortung zu übernehmen und zu merken: Das kann ich, es bewirkt etwas, ich bin selbstwirksam, selbstverantwortlich.

Unterstützend zum Ablegen der Opferrolle ist es, „der Not etwas abzugewinnen“. Dabei erlebt man: Durch das Schlechte, was mir widerfahren ist, habe ich Dinge getan und erlebt, die ich sonst vielleicht nie kennengelernt hätte. Durch die Möglichkeiten, die mir verwehrt sind, haben sich Türen aufgetan, die ich von selbst nicht gesucht hätte. Gegen das Erlebnis war ich machtlos. Jetzt kann ich mein Leben ergreifen und etwas daraus gestalten, was gut ist. Was daran heilsam wirkt, ist das Wärmeempfinden, das ein Mensch hat, wenn er Dinge tut, die gut sind und schön und wenn er ganz stark seine Selbstwirksamkeit empfindet.

Vielen Menschen gelingt es, ihr(e) Trauma(ta) so zu verarbeiten, zu integrieren in ihr Leben, dass die Folgen der traumatisierenden Ereignisse nicht das ganze Leben des Betroffenen im Griff halten. Dafür benötigen diese Menschen ein Umfeld, das sicher ist und ihnen verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Bewegungen, die mit Freude durchgeführt werden, können z.B. sehr heilend wirken. Zur konkreteren Beschreibung der Traumapädagogik siehe Straube, Martin: Die Wunde Seele, 1. Tagungsvortrag.

Manche Menschen finden den Weg aus der Erstarrung entweder ins Soziale oder in die Kunst. Bei ganz vielen Künstlern sind schwere Traumata aus ihrer Biographie bekannt, und gerade dies scheint ihnen zu ihrem künstlerischen Schaffen verholfen zu haben. Dort wird das Trauma genutzt, um Dinge zu erschaffen, zu gestalten etc. Manchmal kann das Trauma sogar so genutzt werden, dass die Betroffenen selbst es nicht „loswerden“ wollen; Rilke z.B. wollte nicht behandelt werden – er sagte: „Ich fürchte, wenn man mir meine Teufel nimmt, verschwinden auch meine Engel“.

Nacsimento Reinaldo: Bodypercussion und Spiele, die Kindern und Jugendlichen helfen können, traumatische Erlebnisse besser zu verarbeiten

Reinaldo Nascimento berichtete im Workshop eindrücklich von seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die durch traumatische Erlebnisse jedes Körpergefühl verloren haben. Das kann soweit gehen, dass Kinder beim Essen ihren Mund nicht mehr finden, weil traumatische Erlebnisse ihre Körper-Geographie, d.h. ihr Bewusstsein für den eigenen Körper, durcheinander gebracht haben.

Um Traumata zu verarbeiten ist es heilsam, durch einfache rhythmische Spiele, in welche der eigene Körper als Werkzeug oder Instrument einbezogen wird, wieder einen Zugang und ein Bewusstsein für den physischen Leib zu entwickeln. Gemeinsam im Kreis stehend, gehend, klatschend, singend und Bälle jonglierend gibt es unzählige Möglichkeiten, seine Mitmenschen und sich selber wahrzunehmen und die Wahrnehmung zu üben. Dabei ist es in den meisten Fällen auch kein Problem, wenn sich die Kinder wie zufällig und gar nicht richtig bewusst gegenseitig berühren. Auf spielerische Weise kommt bei traumatisierten Kinder zum Beispiel beim „Banana-Song“ die Tatsache wieder ins Bewusstsein, dass – wie bei den Bauchschmerzen, die wieder abklingen – sich auch seelische Wunden wieder schliessen können. Pantomimisch wird das Bananenpflücken, das Bananenschälen, das Bananenschneiden, das Bananenessen gemeinsam dargestellt. Ob der vielen Bananen reiben sich alle im Kreis stehend den schmerzenden Bauch, nur um kurz darauf wieder in die Luft zu springen und die nächsten Bananen zu pflücken.

Die Übungen enden zumeist in befreiendem Lachen aller. Lachen sei überhaupt das wichtigste für die belasteten Kinderseelen, lehrte uns Reinaldo. Denn wenn ein Kind wieder befreit lachen kann, ist es auf dem Weg zur Heilung.

Minka Straube: Praktische Übungen zur Traumapädagogik

Im Workshop mit Minka Straube ging es vor allem um Übungen, welche man mit traumatisierten Kindern (oder auch Jugendlichen und Erwachsenen) in Krisengebiten durchführen kann. Sie helfen ihren sellischen Zustand zu verbessern oder zu vermeiden, dass er sich verschlimmert.

Viele der Übungen sind sehr spielerisch aufgebaut und verkörpern in simple Abläufe, in denen man das Vertrauen und das Bewusttsein in den eigenen Körper und die Umgebung, sowie den Nächsten schult.

 

Eine Übung funktionierte beispielsweise folgendermassen: Jeder bekam einen Ball und im Rhythmus gab man diesen weiter an den rechten Nachbar. Logischerweise bekam man so auch einen vom linken Nachbar.

 

Dieser Vorgang erfordert Konzentration und Vertrauen in den Nächsten.Beide Bälle gleichzeitig zu koodinieren ist schwierig, doch wenn man nur darauf achtet seinen Ball abzugeben, wird es einfacher. Man muss also darauf vertrauen, dass man einen all vom linken Nachbar bekommt, sonst funktioniert die Übung nicht reibungslos. Der nächste Schritt ist, den Ball an den übernächsten und dann den darauffolgenden weiter zureichen.

Im Verlauf dieser und auch den meisten anderen Übungen konnte man merken, wie die Gruppe unweigerlich zu spüren ist. Es war zwischen drurch auch sehr lustig, wenn wieder ein Chaos entstanden war. In dem Moment allerdings, indem alle es geschafft haben, einen Ball an den 3 Plätze Weiterstehenden abzugeben und gleichzeitig einen zu bekommen, entsteht eine überraschende und wertvolle Verbundenheit, welche einem zeigen kann, dass alle zuammengehören und eine Gemeinschaft bilden.

In dieser Art und Weise setzte sich das Workshop fort. All die Übungen waren verblüfffend einfach und trotzdem sehr ergebnisrreich und man konnte sich schliesslich vorstellen, dass diese Übungen eine sehr grosse hilfreiche Wirkung haben können. Es hat mir ermöglicht, mich ein kleines Stück in die betroffenen Menschen  hineinzuversetzen.

Eine Übung fand eine Teilnehmerin sehr erwähnenswert, die sie so beschrieb:

"Wir zeichneten mit Farbe eine verschnörketlte Linie auf ein Blatt. Dabei entstanden grössere und kleinere Felder. Nun sollte man Antworten auf diese Fragen in ein beliebiges Feld schreiben:

Was ist dein Lieblingessen? Was ist dein Lieblingsort? Was ist deine liebste Farbe? Was magst du an dir? Welches Tier hast du am liebsten? Welches Wort ist dir am liebsten: „du“,“ich“ oder „wir“? Was ist deine Stärke, was kannst du gut? Wer ist dein liebster Mensch?. . .

Durch diese einfachen Fragen wird dem Einzelnen klar, was er hat und was er kann. Es steht auf diesem Blatt und kann gestaltet und verschönert werden. Ein Überblick der Persönlichkeit.

So wird sich derjenige wieder klar darüber, dass er Gestalten kann und fähig ist, neue Möglichkeiten zu imaginieren.

Natürlich haben diese Übungen nur in passenden und verschiedenen Kombinationen eine wirkliche Wirkung. Ausserdem ist der Ort, die Menschen und ihre Situation sehr ausschlaggebend, welche dieser Übungen wie angewandt werden kann.

All das und noch viel mehr, hat Minka Straube uns mitgegeben. Durch das Workshop habe ich nun eine  Erfahrung mehr, die mir hilft, Menschen nachvollziehen zu können."

ein bericht vom Einsatz und den bisherigen aktivitäten an der fos

Ich bin Schülerin an der FOS Muttenz, eine freie Mittelschule, welche die Oberstufe nach den Steinerschulen Mayenfels (Pratteln) und Münchenstein ist. Im letzten Schuljahr, welches ich gerade durchlaufe, hat jeder Einzelne eine Abschlussarbeit zu schreiben mit einem selbstausgewählten Thema und ganz eigener Erarbeitung eines theoretischen und praktischen Teils.

Meine Abschlussarbeit hat zum Ziel, ein Projekt aufzubauen, in dem Jugendliche, die in der Schweiz leben, mit jugendlichen Flüchtlingen oder Migranten Kontakt aufnehmen. Es geht also um den Austausch und das Kennenlernen der anderen Kultur.

Mit der Idee, an der FOS dieses Projekt zu verwirklichen, war im Prinzip der Kernpunkt meiner Arbeit entstanden. Durch Nima Pour Jakub und Daniel Baumgartner war es mir möglich, meine Ideen sichtbar zu machen und Verantwortung zu übernehmen.

Um zur Tat zu schreiten, schrieb ich die Gemeinde Muttenz an und besuchte zusammen mit Nima Pour Jakub den „Runden Tisch“ zum Thema Asyl in Muttenz, der veranstaltet wurde, um alle Engagierten und Interessierten zusammenzubringen und die Angebote zu koordinieren.

Zur gleichen Zeit stellte ich mein Projekt an der FOS in den einzelnen Klassen vor und versuchte so Mitschüler zu motivieren, sich für die Sache zu interessieren und ein Team zu bilden. Wir veranstalteten ein erstes kurzes Treffen.

Mit viel Offenheit und Überraschung wurde das Projekt in der Gemeindesitzung begrüsst. Es haben sich im Laufe der folgenden Wochen und einer weiteren Sitzung die zwei folgenden Möglichkeiten entwickelt:

Ein jugendlicher Flüchtling konnte ab Ende November teilweise an der FOS integriert werden und besuchte ab diesem Zeitpunkt die Fächer Deutsch-Epoche, Deutsch als Übungsfach, Eurythmie und Bildnerisches Gestalten.

Erste Begegnung und Erfahrungen:

In den ersten Unterrichtsstunden fanden wir heraus, wie wir uns am besten verständigen konnten. Wir versuchten es mit Deutsch, doch sind letztendlich hauptsächlich auf Zeichensprache und Zeichnungen umgestiegen.

Ich versuchte zwar, einige Brocken von dem zu vermitteln, was in der Epoche gelehrt wurde, doch am sinnvollsten empfand ich, mit einigen Worten die den Unterricht betrafen weiterzumachen oder einfach beim Zuhören zu bleiben.

Im Fach Eurythmie wurde sichtbar, dass der Ausdruck, der in dieser Kunstform entsteht, sprachenübergreifend ist. Ich hatte das Gefühl, ihm etwas vermitteln zu können, was als Stimmung aus der Bewegung kam.

Weitere Tage vergingen mit nonverbaler Kommunikation, und doch lernten wir uns besser kennen. Auch andere Schüler nahmen Kontakt auf und interessierten sich ehrlich für den Jugendlichen.

Es kann nun auch eine junge Frau aus Syrien ab Montag, den 7.12.15 dieselben Fächer besuchen.

Ausserdem wurden ab dem letzten Novemberwochenende jeden Samstag Raum und Zeit in der Schule angeboten. Für fünf Stunden sind Flüchtlinge nun eingeladen, Zeit mit Schüler/innen zu verbringen. Es kann gezeichnet, gemalt, gespielt, gekocht werden. Und so wird hoffentlich ein Prozess des gegenseitigen Austausches und der Inklusion begonnen. Dabei spielte natürlich das Üben der deutschen Sprache eine grosse Rolle.

 

Erstes Treffen, 28.11.15:

Zu Beginn des Treffens stellten wir uns vor und versuchten, uns erst einmal unsere Namen zu übermitteln. Für beide Seiten sowohl schwierig als auch lustig. Im gleichen Zug begannen wir die Dinge im Raum zu benennen und zu üben. Die Stimmung dabei war überraschend locker. Daraufhin zeigten wir die Schule, erklärten die Funktionen von Zimmern und unterschiedlichsten Dingen. Am längsten verweilten wir im Kunstraum und begannen verschiedene Techniken auszuprobieren. Jeder hatte seinen Freiraum, das Material konnte in jeder Art genutzt werden. Gegen Schluss begannen wir ein grosses Kollektivbild, bestehend aus vielen einzelnen bunten Vierecken.

Zusammengefasst bot das erste Treffen in erster Linie Herausforderung und Spass. Für mich ergaben sich einige sehr spannende Stunden des Zusammenseins. Obwohl die Kommunikation sehr eingeschränkt war, hatten wir keine Probleme mit dem Verstehen von sachlichen Fakten. Die Schwierigkeit war, das Verstehen des Anderen auf wichtigeren Ebenen, sowohl im Humor als auch in der allgemeinen Stimmungslage. „Problemlos“ war das erste Treffen nicht, das war aber auch nicht das Ziel; dafür aber Kennenlernen und Abtasten, was gut und schön gelang.

Für mich war es sehr bereichernd und ich schätze die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, dem Schulleiter und den Flüchtlingen selbst sehr, denn nur so sind diese Erlebnisse möglich!

 

Übersicht der Ereignisse an der FOS:

 

29.Oktober 2015 → Runder Tisch der Gemeindeverwaltung Muttenz

16.November 2015 → Zweite Sitzung in der Gemeinde

In der Zwischenzeit Kontakt zu Herrn Schweizer, Asylzuständiger für die Gemeinde Muttenz

 

24. November → Treffen mit Herrn Schweizer an der FOS und Besprechung der

Ergebnisse: Samstage an der FOS werden organisiert; Jugendlicher Flüchtling kann einige Fächer besuchen

 

30. November → Erster Tag mit Flüchtling und erste Erfahrungen

Teilnahme ist einschliesslich der darauffolgenden drei Wochen in den oben beschriebenen Fächern

 

7. Dezember 2015 → Erster Tag mit junger Frau aus Syrien, in den gleichen Fächern

 

Weitere Pläne:

Die syrische Frau wird ebenfalls im Januar in die Chemieepoche kommen und auch die anderen Fächer weiterhin besuchen.

 Samstage mit Flüchtlingen werden regelmässig stattfinden, sind auch nach den Ferien weiterhin geplant.

 

Cesaria Kassner

 

Besuch aus dem zentrum bäregg in der Rudolf Steiner Berner oberland

Am Morgen des 21. Oktober empfing die 9.Klasse der Rudolf Steiner Schule Steffisburg mit ihren Lehrerinnen und Lehrern 15 Jugendliche des Asylzentrums Bäregg, um mit ihnen einen „fast normalen“ Schultag zu verbringen. Gemeinsam starteten sie mit einer Doppellektion Mathematik, im Anschluss folgte eine Englischstunde. Während für einige die Mittagspause mit Bewegungsspielen auf dem Schulhof begann, kochten die anderen Alpenmaccaroni mit Apfelmus. Danach wurde gemeinsam gegessen. Der Nachmittag gestaltete sich mit Musik, Singen und Malen.

Den Wunsch zu dieser Einladung brachten die Schülerinnen und Schüler noch am selben Tag, an dem sie Anfang Juni2015 in Bäregg eingeladen waren, vor. Ihr Anliegen war, den UMAs Einblicke in ihre Schulwelt zu geben, sie kennenzulernen und mit ihnen etwas aus ihrem Leben zu teilen.

Nur : wer letztendlich kommen würde, blieb bis zuletzt unklar. Aufgrund der aktuellen Krisensituation in den Asylzentren erfolgen Aufnahmen und Abgänge so kurzfristig, dass verlässliche Planungen nicht möglich sind. Folglich blieben mögliche Voraussetzungen völlig offen und in den Planungen der 9.Klässler musste stets ein Fragezeichen angefügt werden. Umso verblüffter waren sie, als sie erleben konnten, wie ihr Mathematikunterricht hoch konzentriert und anspruchsvoll gemeinsam gemeistert wurde. In der  Englischlektion konnte Sprache als nützlichste Brückenfunktion erfahren werden. Manche der Gäste waren erst seit wenigen Tagen in der Schweiz und deutsche Wörter neu und fremd.  Dass die  Kontaktaufnahme auch unter diesen Bedingungen gelingen kann, gehörte zu den besonderen beglückenden Erfahrungen. 

Besuch der 8. klasse der Berner oberland rudolf steiner schule im Zentrum Bäregg

„Erneut 650 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken“, EU-Flüchtlingspolitik unter Druck“, „Rettungsaktion syrischer Flüchtlinge vor türkischer Küste“, „Weiterer Anstieg an Asylsuchenden erwartet“, „Weltweit bereits über 50 Millionen Menschen auf der Flucht“…

So und ähnlich klingen die Schlagzeilen, mit denen unsere Schülerinnen und Schülern konfrontiert werden. Wir begleiten sie in eine Welt mit ungeheuren Herausforderungen und Problemen, auf die wir alle keine Lösungen anbieten können. Und die Jugendlichen fragen sich z.B.:

-Wo kommen die Flüchtlinge eigentlich her?

-Was wollen sie hier?

-Warum können die Staaten nicht politisch eingreifen?

-Wie leben sie hier?

-Was hat das mit mir und uns zu tun?

In der wöchentlich stattfindenden „Lebensschule“ konnten wir uns in der 8.Klasse anfänglich mit diesen Themen beschäftigen.  Nima Pour Jakub besuchte uns und berichtete aus seinem Herkunftsland Iran. Er wurde als Menschenrechtsaktivist verhaftet, und landete als Asylant in einem Luftschutzkeller in der Schweiz. Inzwischen studiert er Rudolf-Steiner-Pädagogik in Dornach. Die meisten Eltern bekamen Gelegenheit, ihn an verschiedenen Elternabenden kennenzulernen. Dank seiner Initiative wurden wir vom Zentrum für Unbegleitete Minderjährige Asylbewerber (UMA) in Bäregg eingeladen. In diesem Zentrum bei Langnau leben gegenwärtig 54 UMA, - und täglich kommen neue Kinder dazu.

 

Am 02.Juni 2015 verbrachten wir mit einer Gruppe Jugendlicher einen gemeinsamen Sporttag. Mit grosser Herzlichkeit, aber auch Neugier, wurden wir empfangen. Kontakte zur heimischen Bevölkerung bestehen wohl nur sehr spärlich.

Obwohl die Jugendlichen aus Eritrea, Somalia und Syrien stammen und erst zwischen 12 Monaten und wenigen Wochen in der Schweiz leben, auch kein Französisch oder Englisch sprechen, stellte die erschwerte Kommunikation kein Hindernis dar. Es wurde gespielt, gelacht und mit wenigen Brocken Deutsch gelang es, in vielfältige Begegnungen zu kommen. Ungeachtet aller traumatischen Erfahrungen, denen sie in ihrem jungen Leben ausgesetzt sein dürften, konnten sie sich mit kindlichem Übermut auf das Geschehen einlassen und es ergaben sich in den verschiedenen Wettkämpfen und Spielen wunderbare und unvergessliche Momente. Mit diesen Erlebnissen und Bildern im Herzen werden die grossen Fragen im obengenannten Themenkomplex  nicht weniger, aber sie sind mit Sicherheit weniger abstrakt und mit Gesichtern und Namen versehen werden Flüchtlinge Menschen und nicht bloss eine statistische Grösse.

 

Verena Gantner

Besuch der 9. Klasse der Rudolf Steiner Schule Oberaargau in BVS Burgdorf

Am 11.5.2015 ging die 9. Klasse der Rudolf Steiner Schule Oberaargau in die BVS Schule in Burgdorf.

Die BVS Schule ist eine Schule für die jugendliche Flüchtlinge, vor allem die UMAs (Unbegleitete Minderjährige Asylbewerber). Die Begegnung war schon durch Niklaus Müller, dem Leiter der BVS und mir organisiert worden. Die Idee entstand, als ich diese Schule besucht hatte. Sie wurde auch von der Oberstufenkonferenz der Rudolf Steiner Oberaargau unterstützt.

Die Reise begann am Morgen mit der Begleitung von Raphael Schmitt, Gestaltungslehrer und mir. Um 10:30 begann die Begegnungszeit und sie dauerte bis 12:30. Am Anfang hat Niklaus Müller die SchülerInnen von Langenthal willkommen geheissen und nachher haben ein Schüler der BVS und ein Schüler und eine Schülerin der Rudolf Steiner Oberaargau ihre Schulen vorgestellt.

Nachher wurden die SchülerInnen in Gruppen aufgeteilt. Die Aufgabe war sich kennen zu lernen und nachher vor der Klasse sich gegenseitig vorzustellen. Die BVS Klasse hatte verschiedene Jugendliche von unterschiedlichen Ländern z.B. Portugal, Tibet, Iran, Afghanistan, Paraguay, Eritrea, Elfenbeinküste, Bosnien und Herzegowina.

Die SchülerInnen waren alle voneinander begeistert und bekamen eine wirklich gute Vorstellung von ihrem Partner / ihrer Partnerin.

Als wir nach Langenthal zurückkamen, sammelte ich die Rückmeldungen der SchülerInnen. Die Rückmeldungen waren sehr positiv und es gab auch den Wunsch nach einer Wiederholung.

 

Nima Pour Jakub